#FordFan des Monats: Tin Lizzy war’s

April 14, 2014

Unscheinbar sieht sie aus, die stahlgraue Tür mit der Milchglasscheibe auf der in roten, knalligen Lettern der Schriftzug „Ford Classic Cars“ prangt. Wer sie öffnet und über die Schwelle tritt, findet sich in einer anderen Welt wieder: In der Halle NU des Ford-Werks in Köln-Niehl liegt eine aufregende Mischung aus Ford Historie, Motorsport-Geschichte und Autopoliturduft in der Luft.

Dieses Reich, in dem sich ein traditionsreicher Ford neben den anderen reiht, um sich im hochglanzpolierten Lack seines Parkplatznachbarn zu spiegeln, war Jahrzehnte lang das zweite Zuhause unseres Ford Fan des Monats: Wolfgang Laufer kann zurecht als Vater der Ford Classic Car Abteilung gelten. Ohne sein jahrelanges Engagement und seinen unermüdlichen Einsatz als Abteilungsleiter hätte diese einzigartige Sammlung nicht in der Form zustande kommen können, in der sie heute existiert. Nachdem Laufer im März 1970 seine Anstellung als KfZ-Mechaniker aufgenommen hatte, durchlief er im Ford-Werk Köln-Niehl verschiedene Abteilungen – bis sein Herz ihn schließlich bei den Oldtimern gehalten hat.

Angefangen hat alles vor knapp 30 Jahren mit einer Frau – und zwar mit „Tin Lizzie“ (dt. Blechliesel), einem der legendären Ford T Modelle von 1914. Wolfgang Laufer erinnert sich noch genau an den Tag, an dem alles begann: „Ein Direktor ging in den Ruhestand und sollte mit einem alten Auto nach Hause gefahren werden. Da bot sich ein Modell T natürlich an und wir hatten auch noch eins auf dem Gelände hier stehen.“ Aber: Die Zeit hatte ihre Spuren auf der „Blechliesel“ hinterlassen und weil Eile geboten war, mussten die Mechaniker die Waffen strecken. „Wir haben den guten Mann dann in einem Ford Sierra nach Hause geschickt – was mich natürlich ein bisschen gewurmt hat!“

So begann der gelernte Kfz-Mechaniker, der zwischenzeitlich seinen Industriemeister gemacht hatte, zunächst nach Feierabend und in seiner Freizeit an alten Ford Fahrzeugen zu tüfteln. Über das nötige Werkzeug und eine Hebebühne verfügte er dank seiner Motorsport-Aktivitäten in den 1980er Jahren – eine geeignete Halle für seine Werkstatt bekam er von Ford in der Boltensternstraße ebenso wie eine stattliche Sammlung von knapp 30 nicht-restaurierten Ford Modellen.

„Man muss so ein Fahrzeug kennenlernen um es reparieren zu können“, war Laufers Devise und so erforschte er mit Engelsgeduld die Mechanik der Oldtimer. Das erste Fahrzeug, dessen Motor er wieder zum Schnurren brachte, war eben jenes Modell T, an dem sein Mechaniker-Team sich zuvor die Zähne ausgebissen hatte. Vom Erfolg angespornt sollte sein nächstes Restaurations-Projekt ein 1930er Ford Modell A werden – beide Oldtimer befinden sich übrigens heute noch in der Classic Car Sammlung und sind nach wie vor fahrtüchtig.

„Wenn man heute von Köln nach München fahren will, gibt man München in den Bordcomputer ein, schaltet das Automatik-Getriebe auf D, dann geht die Klimaanlage an und abends ist man ganz bequem ohne Rückenschmerzen in München. Das war früher natürlich anders“, schwärmt der 65-Jährige mit leidenschaftlichem Funkeln in den Augen. „Mit so einem T- oder A-Modell war man zunächst mal zwei Tage lang unterwegs und hat jeden Abend einen dicken Pott Bier getrunken, damit man vor dem Schlafen seine Schmerzen vergaß. Und wenn man dann schließlich ankam, hatte man ein echtes Stück Abenteuer hinter sich gebracht!“

Mit den Jahren wuchs die Sammlung Stück für Stück immer weiter – mittlerweile ist ein beachtlicher Bestand von 126 Fahrzeugen zusammengekommen. Dicht an dicht parken sie in Halle NU, gerade mit so viel Abstand, dass sich die Türen noch öffnen lassen ohne den liebevoll gepflegten Lack des Nachbarn zu beschädigen. Aber: Die Oldtimer und Classic Cars sind nach wie vor im Einsatz. Jedes Jahr stehen ein gutes Dutzend Oldtimer Rallyes im In- und Ausland an. In einer Art Revival-Veranstaltung geben die Original-Fahrer von damals dann noch einmal ordentlich Gas – und fordern den Classic Cars so einiges ab. „Die fahren jetzt nicht Türklinke an Türklinke, wie man so schön sagt, aber klar, sie fahren sehr schnell! Schließlich sind andere Hersteller wie Opel, BMW und Mercedes auch vertreten und die geben ebenfalls richtig Gas – da will man ja nicht hinterherhinken“, erklärt Laufer grinsend und fügt mit einem verschmitzten Lächeln hinzu: „Und wir hatten eigentlich fast immer die schnellsten Autos!“

So wundert es auch nicht, dass Wolfgang Laufer in den letzten zwei Jahren den Fokus darauf gelegt hat, Fords Motorsport Historie wieder aufleben zu lassen. „Wir haben zum Beispiel den Ford Capri RS Gruppe 2 und den Ford Sierra Cosworth wieder ans Laufen gebracht und auch eingesetzt. Nicht im Rennsport sondern bei den Revival Veranstaltungen.“ Neben den ehemaligen Werksfahrern ließ es sich auch Wolfgang Laufer nicht nehmen, sich bei den Oldtimer-Rallyes selbst noch einmal hinter das Steuer des Capri RS zu setzen. Entsprechende Rennsport-Erfahrung konnte er in den 80ern sammeln. „Wir haben damals hobbymäßig als Team ein Auto gebaut und sind damit Langstrecken-Rennen gefahren.“

„Ich könnte jetzt nicht sagen, mit diesem oder jenem Auto fahr‘ ich am liebsten. Ich fahre eigentlich mit jedem der Autos sehr gerne.“ Privat fährt der frischgebackene Rentner, der mit dem Herzen nach wie vor an den Ford Classic Cars hängt, übrigens ein Ford Focus Cabrio und freut sich jetzt erstmal auf das schöne Wetter, um mit offenen Verdeck die Straßen zu erobern.