Autos für Menschen mit Handicap

Januar 8, 2014

Fahrzeuge für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen gewinnen in Deutschland immer mehr an Bedeutung. Deshalb haben wir von Ford Menschen mit Handicap, Umbauhersteller und politische Vertreter zu einer Presseveranstaltung eingeladen, um dieses immer wichtiger werdende Thema zu diskutieren. René vom Ford Social Media Team war vor Ort und hat sich für euch umgehört.

„Es gibt zwei grundlegende Erfahrungen, die ein Mensch machen muss, um Vertrauen in sich selbst und Vertrauen in die Welt zu gewinnen“, sagt der Theologe Rainer Schmidt. „Und zwar: Ich bin was und ich kann was!“ Der 48-Jährige, der ohne Unterarme und mit einem verkürzten rechten Oberschenkel geboren wurde, kann sich noch genau an den Tag erinnern, als er mit 19 Jahren sein erstes Auto bekam. „Wenn du selber fahren kannst, dann bist du cool“, sagt der leidenschaftliche Tischtennisspieler. „Denn der entscheidende Unterschied ist: Ich fahre ins Kino oder ich werde ins Kino gefahren.“

Auf der Ford Veranstaltung wird schnell deutlich: Selber ein Fahrzeug zu steuern ist für das Selbstwertgefühl eines Menschen mit Mobilitätseinschränkung eine sehr wichtige Erfahrung. Das bestätigt auch die verstärkte Nachfrage der letzten Jahre. In 2013 haben wir bei Ford mehr als 5000 Fahrzeuge an Menschen mit Mobilitätseinschränkungen verkauft – das sind weit mehr als 50% Zuwachs gegenüber dem Vorjahr. Ganz vorne liegt dabei der Ford Kuga, dicht gefolgt vom neuen Ford B-MAX.

Der clevere Minivan, der dank Panorama-Schiebetüren einen komfortablen Einstieg von eineinhalb Metern Breite bietet, erfreut sich auch bei Umbauherstellern größter Beliebtheit, wie Maren Mohr (Foto 2) als Assistentin der Geschäfts- und Vertriebsleitung der Paravan GmbH bekräftigt. „Der Ford B-MAX ist natürlich prädestiniert dafür, beispielsweise einen Schwenk- oder auch einen Drehsitz einzubauen, weil eben die B-Säule hier in der Schiebetür integriert ist“, erklärt sie weiter. Im beschaulichen Aichelau auf der Schwäbischen Alb tüftelt der Branchenprimus seit über acht Jahren an Hightech-Lösungen, um selbst Schwerstbehinderten die problemlose Teilnahme am Straßenverkehr zu ermöglichen.

Insgesamt sind bei der Paravan GmbH über 140 Mitarbeiter beschäftigt – einer von ihnen ist Swen Lang (Foto 1). Der rollstuhlfahrende Elektronik- und Software-Entwickler ist die 450 Kilometer zum Presseevent bequem in einem umgebauten Ford S-MAX angereist. Das Besondere an seinem Dienstwagen: Der Sportvan ist das allererste Auto, das mit dem Paravan Space Drive II ausgerüstet worden ist. „Dieses System verfügt über einen Vier-Wege-Joystick als Eingabegerät für Gas, Bremse und Lenkung“, erklärt der Experte. So ist es problemlos möglich, die leistungsstarken Servomotoren, die die Mechanik an Pedalerie und Lenksäule ansteuern, mit nur einer Hand zu kontrollieren. Im Vergleich zum Vorgänger-Modell verfügt das neueste Modell über ein verbessertes Sicherheitskonzept und leistungsstärkere Servomotoren. So sind schnellere und präzisere Lenkbewegungen möglich – und Fahrmanöver, die jeden Zuschauer in Staunen versetzen.

Privat fährt Swen Lang mit separaten Eingabegeräten für Gas/Bremse und Lenkung. „Ich persönlich finde es besser, Gas und Lenkung voneinander zu trennen. So kann ich mich zum Beispiel beim Bremsen in der Kurve auf die einzelnen Funktionen noch mehr konzentrieren – aber das ist Geschmackssache.“

So sieht das auch Ford Mitarbeiter Jochen Trefzger (Foto 4): „Ich glaube, das ist eine individuelle Entscheidung.“ Der 56-Jährige, der seit sechs Jahren auf einen Rollstuhl angewiesen ist, hat in seinem Ford Mondeo einen elektronischen Gasring mit mechanischer Handbremse auf das Lenkrad montieren lassen. „Der Gasring wird gegen das Lenkrad gedrückt. Über Sensoren wird der Fahrerwunsch dann aufgenommen, an die Bordelektronik übergeben und das E-Gas angesteuert.“ Das Ganze funktioniert ohne mechanisches Gestänge zum Gaspedal. „Das ist heute, wo die Betätigung des Gaspedals elektronisch funktioniert, auch nicht mehr nötig.“ Mit dem Gasring ist Jürgen Trefzger voll und ganz zufrieden. Inzwischen ist es schon der zweite Ford Mondeo, den der Ford Spezialist für Fahrdynamik auf diese Weise auf seine Bedürfnisse zuschneiden ließ. Ansonsten verzichtet der 56-Jährige auf weitere Umbauten – seinen Rollstuhl verlädt er beispielsweise ohne Probleme von Hand. „Jeder weitere Umbau würde den eigentlichen Nutzen des Fahrzeugs immer mehr einschränken und – ich kann es immer nur betonen – ich lebe nach der Devise: ‚So wenig Hilfe wie möglich, so viel wie nötig!‘“

Für Fahrer, die neben dem Lenkrad ein separates Handgerät für Gas und Bremse bevorzugen, bietet sich eine mechanische Handbedienung an. „Unser Ziel ist es, ein gemütliches Fahren mit oder ohne Handbedienung zu erreichen“, erklärt Philippe Manon von der Veigel GmbH. „Denn ein Fahrzeug ist auch da, um mit Freunden zu fahren – nicht nur alleine. Vielleicht sitzt auch mal der Partner oder das Kind hinter dem Steuer. Wenn man sie nicht braucht, klappt man die Handbedienung einfach nach unten in den Fußraum weg.“ Dadurch, dass der Trend zu immer breiteren Mittelkonsolen und weniger Platz im Fußraum gehe, sieht sich der Umbauhersteller vor einer neuen Herausforderung gestellt. So ist das aktuelle Modell der Handbedienung beispielsweise 20% schmaler gestaltet als der Vorgänger.

Auch für die Umbau-Profis der Paravan GmbH ist jedes Auto eine neue Herausforderung, denn ein Patentrezept für den perfekten Umbau gibt es selbst auf der Schwäbischen Alb nicht. „Natürlich gibt es Fahrzeuge, die wir öfter umbauen“, sagt Swen Lang, „da gibt’s dann auch einen Plan, wo was installiert wird.“ Wenn ein Kunde aber mit einem ungewöhnlichen Modell kommt, muss schon mal getüftelt werden.

Ein guter Grund, warum Ford bei Menschen mit Mobilitätseinschränkungen so hoch im Kurs steht: Bei Erwerb eines Neufahrzeugs gewähren teilnehmende Ford Händler allen Inhabern eines Schwerbehinderten-Ausweises einen Rabatt von 20%.