Das einfühlsame Auto

März 1, 2017

Stellt euch vor, es ist wieder einer von diesen Tagen, wo alles schief geht. Der Chef meckert und jetzt steht auch noch ein privater Termin an, auf den ihr keine Lust habt. Ihr steigt ins Auto, fahrt los und plötzlich erzählt euch das Auto einen Witz um euch aufzuheitern.

Völliger Humbug? Nein! Es wird geschätzt, dass bis zum Jahr 2022 fast 90 Prozent aller Neufahrzeuge über Spracherkennungs-Systeme verfügen werden, davon 75 Prozent sogar über eine cloudbasierte Spracherkennung. Fahrzeuge werden in der Zukunft also nicht nur perfekt verstehen, was wir sagen, sondern sogar was wir fühlen – selbst wenn wir gar nichts sagen.

Die Basis dafür sind Systeme im Fahrzeug, die mithilfe von Mikrofonen und In-Car-Kameras auf winzige Veränderungen in unserem Gesichtsausdruck und in der Tonlage unserer Stimme reagieren können. Fatima Vital von Nuance Communications hat unter anderem bei der Entwicklung des sprachgesteuerten Kommunikations- und Entertainmentsystem Ford SYNC mitgewirkt. Sie erklärt: „Wir sind auf dem Weg zur Entwicklung von einfühlsamen Fahrzeugen. Assistenz-Systeme könnten den Fahrer bei Stress aufmuntern, auf langen Reisen Tipps geben oder einfach nur an Geburtstage erinnern“. Dank dieser Technologien könnte unser Auto zukünftig tatsächlich wissen, wann wir gestresst sind und ob wir zum Entspannen ein Hörbuch oder doch lieber Rammstein oder gar nichts hören wollen. Sogar die Farbe und Intensität der Cockpit-Beleuchtung könnte sich unserer Laune anpassen.

Die Ford SYNC-Technologie, die weltweit Millionen Autofahrer nutzen,  versteht bereits heute Sprachbefehle wie „Ich habe Hunger“ oder „Ich brauche Kaffee“ um uns zum nächsten Restaurant zu navigieren. Schon in zwei Jahren sollen laut Nuance Communications intelligente Sprachsysteme komplexere Fragen stellen können, zum Beispiel: „Möchten Sie Ihre Lieblingsschokolade in Ihrem Lieblingsladen kaufen?“. Mittels Gesten und Augenbewegungen könnten Fahrer Anrufe entgegennehmen, die Lautstärke des Audiosystems einstellen oder die Navigation auf einer Karte festlegen.

Somit entwickelt sich dank Sprachsteuerung das Fahrzeug immer mehr zum persönlichen Assistenten. „Viele Menschen lieben ihre Autos. Durch lernfähige In-Car-Systeme, die sich den Bedürfnissen des Fahrers anpassen, wird die Beziehung zwischen Mensch und Fahrzeug sicherlich noch intensiver“, sagt Dominic Watt, Senior Lecturer, Department of Language and Linguistic Science, University of York in Großbritannien. „Das Auto wird zu unserem Assistenten und Reisebegleiter, der uns unterwegs zuhören wird. Wir werden vergessen, dass wir letztlich doch nur mit einer Maschine sprechen“.

Das Auto soll bald auch ganz spezifische Sprachstile verstehen können, verrät Mareike Sauer, Voice Control Engineer, Connectivity Application Team, Ford of Europe. „In naher Zukunft werden die Fahrer nicht nur in die Lage versetzt, ihre Muttersprache mit oder ohne Akzent für Sprachbefehle zu nutzen, sondern sie können dann auch eigene Formulierungen verwenden, die stets ein Bestandteil der natürlich gesprochenen Sprache sind“.

„Passt scho“, denkt da nicht nur der Bayer!